Auf Gran Canaria – Anna besucht die Indiana

1. August 2010 – Las Palmas, Gran Canaria

Ich bin’s, Anna …

… heute schreibe ich mal den neuen Logbucheintrag.
Ich bin gestern in Gran Canaria gelandet und von Jan am Aeropuerto de Gando in Empfang genommen worden, nachdem er dort zwei Stunden zuvor Thorsten verabschiedet hat, der nach La Gomera geflogen ist, um dort Schnabelwale zu filmen.
Dank des bequemen und äußerst günstigen Schnellbusses waren wir im Nu in Las Palmas, wo die Indiana zur Zeit im Muelle Deportivo liegt, dem riesigen Sportboothafen, von dem im Herbst auch die Transatlantikrallye ARC mit hunderten Teilnehmern startet. Ich bin überrascht über die massiven Sicherheitsvorkehrungen – das gesamte Gelände
ist nachts durch Tore abgesperrt, und zusätzlich hat jeder einzelne Steg eine verschlossene Gittertür, die sich nur mit den Schlüsseln der Liegeplatzinhaber öffnen lässt.
Von der doch recht langen Anreise – morgens bin ich in Kiel um halb acht aus dem Haus gegangen, abends gegen 18 Uhr sind wir hier am Boot eingetroffen – war ich so geschafft, dass wir meinen ersten Abend auf Gran Canaria sehr ruhig und entspannt verbracht haben.

Bei einem kleinen Spaziergang zeigte mir Jan die Uferpromenade, ich knuddelte eine
Palme, wir waren kurz am Strand und ich tauchte meine Hand begeistert ins Wasser des atlantischen Ozeans – danach war sie nass.
Abschließend machte Jan mich mit der Sailor’s Bar bekannt, wo er und Thorsten in den vergangenen Tagen schon manche Stunde zubrachten und das kostenlose WiFi zur Kontaktaufnahme mit der Heimat nutzten. Bei einem Clara con 7up (einem Alsterwasser)
und einem alkoholfreien Pina Colada (einer dicklichen, süßen und sehr schmackhaften Kokos-Ananassaft-Mischung) ließen wir den Tag ausklingen, und danach konnte mich nichts mehr davon abhalten, mich von der Gemütlichkeit meiner Hälfte der Eignerkoje zu
überzeugen.

Heute sind wir nach Vegueta gefahren, der Altstadt Las Palmas. Nachdem wir mittels Stadtplan und Reiseführer weder die benötigte Buslinie eruieren noch eine Haltestelle finden konnten, fragten wir einen Einheimischen nach dem Weg. Er bedeutete
uns, ihm zu folgen, und führte uns zur nächsten Straßenecke, wo vor einer roten Ampel einige Autos und auch ein Bus warteten. Zu unserer Verbflüffung sprintete er quer über die Straße, sprang vor den Bus und trommelte an die vordere Einstiegstür. Als der offenbar recht geduldige Busfahrer sie öffnete, fragte unser Helfer ihn kurz nach seinem Weg und bedeutete uns dann mit eifrigen Handbewegungen, einzusteigen. Leicht fassungslos hasteten wir über die Straße und rechneten mit einem sicherlich recht sauertöpfischen Gesicht des Busfahrers – doch der lächelte uns nur amüsiert an und verkaufte uns zwei Fahrkarten nach Vegueta. Erfreut über so viel kanarische
Unkompliziertheit ließen wir uns gemütlich zu unserem Ziel schaukeln.

In Vegueta verzauberten mich die kleinen, kopfsteingepflasterten Gassen und die vielfarbigen, teils sehr liebevoll restaurierten Häuser, und Jan zeigte mir die Restaurants und Kneipen, die er in den Tagen zuvor mit Thorsten bereits erkundet hatte.
Wir besichtigten die Catedral de Santa Ana, eine beeindruckende fünfschiffige Kirche, die über fünf Jahrhunderte hinweg entstand und daher verschiedene Baustile in sich vereint. Der Reiseführer verriet uns, dass die Front aus dunklem Sandstein neoklassizistisch ist, und mich begeisterte der Kontrast zu den grasgrünen Palmen des Plaza Santa Ana.
Anschließend schauten wir uns das Casa de Colón an, das eine Ausstellung verschiedenster Artefakte rund um die vier Expeditionen des Christoph Kolumbus beheimatet und äußerst liebevoll gestaltet ist. Besonders von der Krypta, einem hohen Kellergewölbe mit Holzdecke, waren wir recht angetan. In einem der kleinen Innenhöfe saßen zwei Papageien, die Jan sofort in ein Gespräch verwickelte, in dem der Pirat Blackbird und eine geheimnisvolle „Buddel Rum“ eine tragende Rolle spielten. Fasziniert sahen wir zu, wie die beiden Vögel sich – augenscheinlich gelangweilt vom auf-der-Stange-sitzen – im Gänsemarsch auf den Weg in den Nachbarhof und schließlich hinunter in die Krypta machten. Die anderen Besucher schienen sie dabei keineswegs zu stören, und während ich mich in respektvoller Entfernung von den großen scharfen Schnäbeln hielt, suchte Jan weiterhin das innige Zwiegespräch.

Durch so viel frei flatternde Fauna ermüdet, kehrten wir anschließend im „El Herreno“ ein, einem bei Einheimischen sehr beliebten Restaurant mit reichlich Tapas auf der Speisekarte. Wir teilten uns je eine „media ración“ (halbe Portion) „Papas Arrugadas con mojo rojo“ (kleine Kartoffeln mit Salzmantelkruste und
scharfer roter Sauce), Hígado Canario (Leber auf kanarische Art) und frittierten Fisch mit Tomatensauce – alles äußerst schmackhaft und zudem noch preisgünstig.

Nach ausgiebiger Siesta widmeten wir uns dann am späten Nachmittag und frühen Abend dem Klar-Schiff-machen auf dem Boot – ich packte meinen Trolley aus, wir erledigten den Abwasch und planten die morgige Segelroute, die uns in den Süden der Insel führen wird. Der Wetterbericht sagt kräftigen Wind um die 20 Knoten voraus, und ich bin sehr gespannt, wie mein erster „Seetag“ nach fast einem Jahr Pause sein wird …

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